Selma Alaçam

contact    /    CV    /     imprint

Farewell to the Pasha / 2012 / Videoinstallation mit 16 Monitoren, Kopfhörern, MDF - Ornamentlochpaltten, Stahlregalen


Die Rollenbilder türkischer Männer in Deutschland sind in Bewegung: In einer kleinen Erdgeschosswohnung in Berlin Neukölln treffen sich einmal wöchentlich rund 20 Männer mit türkischen Wurzeln. Zur Vätergruppe kommen Heranwachsende, die über ihre Rolle als Mann nachdenken, ebenso wie Senioren, die einen guten Umgang mit ihren Enkeln suchen. 


Was sie verbindet ist die Suche nach ihrer Identität als türkische Väter in der deutschen Gesellschaft. “Türkische Väter schwanken zwischen Machogehabe, Familienvater und Verlierer“, sagt ein junger Mann. Welche Rolle ist die Richtige? In der Selbsthilfegruppe "Türkische Väter im Aufbruch" sind die Männer unter sich. Als Teilnehmer der Männergruppe haben sie gelernt über ihre Probleme nachzudenken, sie auszusprechen und Lösungen und Wege für sich selbst zu suchen. 


Kazim Erdogan hat die wöchentlichen Treffen ins Leben gerufen. Er lebt seit 36 Jahren in Deutschland und arbeitet als Psychologe im Psychosozialen Dienst Neukölln. Erdogan weiß, was türkische Männer bewegt, ihm ist der Austausch wichtig. Perspektivlosigkeit, Arbeitslosigkeit und Kommunikationsschwierigkeiten lasten auf vielen. 

Es geht auch darum Gewalt aus den Familien zu verbannen.Viele Türkinnen in Berlin wollen keine Pashas mehr zuhause, sie fordern Hilfe bei Kindererziehung und im Haushalt. Väter und Männer für Bildung und Erziehung zu sensibili-sieren, gehört zur Grundidee von „Väteraufbruch Neukölln“. 


Die Väter des „Väteraufbruchs“ verstehen sich als Vorbilder und Multiplikatoren, im Bekanntenkreis, in ihren Vereinen oder in der Moschee. Somit verweist "Farewell to the Pasha" auf die Distanz zwischen dem Betrachter und den gezeigten Sequenzen, wie eine Barriere, die zu einem poetischen Bild jener kulturellen Komplexität wird, die bei jedem Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen zunächst vorherrscht.